Wednesday, June 18. 2008
Über die Generierung von Hypes
Hypes gibt es überall, wo man hinschaut bzw. hinliest.
Oftmals sind es die Medien die eine Innovation oder ein neues Produkt in den
Himmel hochheben, ungeachtet dessen, was die Konsumenten oder Rezipienten
wirklich darüber denken. Die Blogosphäre muss sich da wahrscheinlich ebenfalls
in einer gewissen Weise kritisch hinterfragen (was sie ja auch tut). Am Beispiel
des Games Grand Theft Auto IV macht sich ein Gamestar-Artikel
darüber Gedanken, wie solche Hypes denn eigentlich entstehen und wer dafür
zuständig gemacht werden kann.
Zwar kam bei dem langersehnten Spiel der Hype auch aus
den Reihen der Gamer, die es kaum noch erwarten konnten und sich in Foren und Blogs
eifrig untereinander austauschten. Aber ein Grossteil der Fanfaren lässt sich
auf reichweitenstarke Nachrichtenblätter zurückführen, die grundsätzlich wenig
mit dem Thema zu tun haben. Angefangen hat alles mit einem Artikel in der NYT
und in der „Folge, schrieb und sendete sich die Medienwelt Anfang Mai auf einen
Berichterstattungsgipfel, der GTA 4 zumindest einen Superlativ
sichert: einen derartigen Medienrummel gab es um ein Spiel noch nie.“ Die
TV-Stationen trugen ausserdem ihren Teil dazu bei, indem sie ausufernd über das
Phänomen berichteten.
Das Resultat ist beachtlich. GTA 4 setzte in der ersten
Verkaufswoche rund 500 Millionen Dollar um – ein neuer Rekord. Die Ursache:
„Hype“!! Es ist ein Mechanismus der sich eigendynamisch in die Höhe schraubt:
„Vorfreude generiert Hype, und Hype generiert Vorfreude. So schraubt sich das
Interesse in die Höhe, aus massiertem Getuschel wird mediales Getöse.“
Einerseits wollen die Konsumenten mit Informationen gespiesen werden, die sie
momentan interessieren und auf der andere Seite sind die Medien für die
Kreation des Informationsbedürfnisses selbst mitverantwortlich. Natürlich
fliesst ein gewisser Teil der Informationen aus Marketing- und PR-Abteilungen
in die Berichterstattung. Doch der Werbeaufwand für GTA 4 hielt sich relativ in
Grenzen und wurde nur punktuell vor dem Verkaufsstart intensiviert. Der Hype
war schon da, die Werbung insofern nur für den letzten Aufmerksamkeitsschub
zuständig. Schliesslich, so argumentiert Gamestar, waren die Spieletester und –Kritiker
ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor in der Hypezüchtung.
Erstaunlich unkritisch berichteten diese über das Game. Spielejournalisten
würden dazu neigen, die Qualität eines Spiels zu überzeichnen. Dies liegt wohl
einerseits daran, dass sie selbst der emotionalen Komponente des Hypes
erliegen, und andererseits: Wer möchte in einer Horde von jubelnden Mitläufern
schon der erste sein, der sich outet? Wieso die eigene Reputation aufs „Spiel“
setzen, wenn es sich doch so leicht mit dem Strom fliessen lässt? Als dann nach
dem Erscheinen von GTA 4 die ersten kritischen Stimmen der Gamer selbst kamen,
jubelte die Fachpresse ignorant weiter. Das liegt wohl daran, dass es schwierig
ist zuzugeben, sich geirrt zu haben. Wer gibt schon gerne eigene Fehler zu? Des
Weiteren sind die Fachjournalisten der Gamerbranche und den Games meist selbst
sehr verbunden, ja selbst Zocker. Insofern ist die übertrieben positive
Berichterstattung als Selbstlegitimation und Selbsterhaltung der Gattung zu
verstehen: Die Generierung eines Hypes als Selbstzweck.
Nun denn, was dieser wunderbare Artikel zur Sprache
bringt, lässt sich natürlich bestens auf den aktuellen Blog-Hype übertragen,
womit der Bogen zum eigentlichen Thema dieses Blogs geschlagen werden konnte…

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