Das
hier ist ja eigentlich ein Wissenschaftsblog. Um diesem Ettikett
gerecht zu werden, gibts auch mal wieder einen Wissenschafts-Beitrag ;o)
Ich bin ziemlich erquickt ob diesem Fund! Die Uni St. Gallen führt eine Forschungsplattform, auf der nicht weniger als 2500 Publikationen im Volltext zur Verfügung stehen. Gesamthaft bringt es die Datenbank auf ca. 17500 Artikel. Alexandria heisst der besagte Fundus (benannt nach der antiken Bibliothek). Darauf gestossen bin ich während einer Recherche über Corporate Blogs.
Miriam Meckel, selbst Bloggerin, betrieb mit anderen Forschungspartnern ein Corporate Blog-Projekt (2006-2007). Sie
heben den rasanten Wandel der Kommunikationsverhältnisse in der
Online-Welt hervor, in der die Netzwerkgesellschaft - im Speziellen
Weblogs - für weitreichende Gefahren- wie auch Chancenpotenziale für
Organisationen und Unternehmen verantwortlich gemacht wird. Die Risiken
werden in kritischen und sich innert kürzester Zeit global
verbreitenden Inhalten mit dem Potenzial zur Auslösung von
Reputationsdynamiken festgemacht. Chancen bieten sich durch die
(virale) Informationsdiffusion über interpersonale Kommunikationskanäle
- kurz durch Mundpropaganda (WOM). Corporate Blogs sind insofern ein
Kommunikationsinstrument, das sich zur transparenten, nachhaltigen "partizipativen und
nicht-hierarchischen Kommunikation" eignet. Die Forschungsschwerpunkte dieses Projekt lesen sich wie folgt:
1) Zum einen soll empirisch nachvollzogen und
geprüft werden, wie und in welchen Netzwerken sich die
Diffusionsprozesse von Informationen im Internet vollziehen.
2) Zum zweiten soll eine Analyse der Prozesse und
Standards in der Unternehmenskommunikation Erkenntnisse darüber
bringen, wie Unternehmen die neuen Kommunikationsformen -
insbesondere Weblogs - in ihr Kommunikationsmanagement proaktiv (und
reaktiv) integrieren.
3) Schliesslich soll in einem dritten Untersuchungsansatz aus der
Verbindung der ersten beiden Schritte abgeleitet werden, welche
Reputationsrisiken sich aus den Verbreitungs- und
Verarbeitungsprozessen kritischer Informationen im Internet für
Unternehmen ergeben, wie diese Reputationsrisiken zu bewerten sind
und wie sie durch Kommunikationsverantwortliche im Unternehmen
selbst bewertet und durch neue Kommunikationskonzepte und
–instrumente im Kommunikationsmanagement aufgegriffen werden.
Leider
scheinen die Forschungsergebnisse nicht zu den öffentlich verfügbaren
Publikationen zu gehören. Hingegen kann auf Anfrage ein weiteres Unternehmensblog-Projekt
eingesehen werden, welches sich mit den Typologien von Blogs in der
Unternehmenskommunikation befasst. (ob man die Texte dann auch erhält,
werden wir sehen). Es handelt sich dabei um ein Konferenzpapier zur
Jahrestagung der Schweizer Gesellschaft für Kommunikations- und
Medienwissenschaften (St. Gallen/2007). In der Übersicht wird das Anliegen des Papers kurz dargelegt:
Trotz einer Vielzahl von Publikationen zum Thema
Blogging hat sich bisher noch kein vollständiger Theorierahmen
zur Analyse von Weblogs im Rahmen der Unternehmenskommunikation
gebildet. Viele Ansätze zur Typisierung des Begriffes Corporate
Blogging bleiben eine Anbindung an die konkreten Funktionen der
Coporate Communication schuldig und begnügen sich mit
eindimensionalen (wie etwa inhaltlichen oder autorenzentrierten)
Klassifizierungsversuchen.
Dem kann ich mich nur anschliessen und hoffe, dass die Anlehnung an den "St. Galler Blogwürfel" (mehrdimensionales Modell - Autor, Funktion,
Inhalt, sowie Relation zu bestehenden Instrumenten in jeder
Funktion - eine Art Weiterentwicklung des Modells von Zerfass)
die Corporate Blog-Forschung einen weiteren Schritt in Richtung eines
strukturierten Theorierahmens in der Tradition der
Kommunikationswissenschaft bringt.
Mmmmh, da läuft mir das Wasser im Munde zusammen: Wurst an Kaffee-Cocos-Sosse - Hört sich nicht nur verlockend an, sondern sieht auch noch abscheulich aus...
Das Wurst-auf-Rezept-Blog brilliert auch sonst mit wurstigen Köstlichkeiten. "Feige Leberwurst", "Tartar von der Bockwurst", "Wursti-Goreng", "Sesam öffne dich Bratwurst" oder "Grobe Bratuwurst à l'Orange". Hinter der witzigen Seite versteckt sich unitzwo - wohl eine Internetbude die Homepages vertickert (mehr ist auf ihrer Seite nicht zu erfahren). Auf jeden Fall eine gelungene Viral-Idee (und nicht die einzige).
Spiegel Online
meint dem Geheimnis erfolgreicher viraler Werbekampagnen auf die Schliche
gekommen zu sein. In einem ausführlichen Artikel analysiert der Autor (Konrad Lischka) die aktuellen
Viralkampagnen wie auch Klassiker der ansteckenden Filmchen. Skurril, schrill, krass,
blutig, übertrieben und einzigartig müssen die Filmchen sein, um den Urhebern
zum Erfolg zu verhelfen.
Kürzlich sprang Kobe Bryant über ein auf ihn zurasendes Auto. Zuvor noch
montierte er in „unauffälliger“ Pose seine neuen Sportschuhe der nach einer
griechischen Göttin benamsten Marke. Obwohl Kobe selbst zugab: „Holywood, Baby!“,
hören die Youtube-Gucker nicht auf über die Echtheit des Clips zu spekulieren. Noch
besser, mittlerweilen kursieren im Netz Nachahmungsfilme, die den armen Kobe am
Ende des Films sogar überfahren lassen. Doch das ist egal – das Virale
profitiert gerade von solchen weiterentwickelten oder nachgeahmten
Eigenproduktionen, verhelfen sie doch dem Original zum Hype-Status. Sie führen
Konversationen, setzen sich aktiv (also high-involved) mit dem Inhalt
auseinander und verbreiten die Botschaft so ganz nebenbei über den ganzen
Globus.
Der Spiegel Artikel macht auch darauf aufmerksam, wie
leichtgläubig die Nutzer sind: „Keine Spur von Zweifel, weil Bryant zu Beginn des Clips einen
Sportschuh so demonstrativ präsentiert. Die Action ist so absurd, die Bilder
sind so spektakulär, dass manche Zuschauer jede kritische Distanz verlieren.
So
funktioniert virale Reklame: Die Werber streuen einen Clip, ein Foto, eine
Geschichte im Web und hoffen, dass ihre Idee so schrill ist, dass die Nutzer
sie von selbst weiterverbreiten. Der Bezug zum Auftraggeber taucht oft nur am
Rande, manchmal gar nicht auf. Die Absicht ist, dass die Bilder absurd genug
sind, damit die Zuschauer sich mit der Agenda der Clips gar nicht bewusst
auseinandersetzen.“
Unten sind die beiden Filmchen mit Kobe Bryant –
einmal im Original und einaml in der „Kobe-muss-sterben-Version“. Weitere
Besipiele gibts im Spiegel Artikel. Im übrigen scheint mir der "Stunt" nicht allzu spektakulär, handelt es sich doch um eine Standkamera. Einmal wird nur Kobe gefilmt und einmal nur der Aston Martin. Legt man die beiden Bilder übereinander springt Kobe plötzlich über den heranbrausenden Sportflitzer. Dies zeigt umso deutlicher, dass es eben auf die Idee ankommt und nicht auf eine horrende Summen verschlingende Produktion.
Eine Studie von Tomorrow Focus AG über Werbung und Virales Marketing in Social Networks befindet, dass die Altersgruppe 20 bis 30 v.a. passive und informative Werbung schätzt (z.B. Gruppen zu Marken in Communities und Standardwerbeformen), während sich die Teenager gerne von audiovisuellen Medien unterhalten lassen (virale Videokampagnen) und diese besonders häufig via Chat oder Messenger an Freunde weiterleiten. Gesamthaft werden virale Werbebotschaften am häufigsten mit der digitalen Post (E-Mail) verbreitet. Die Studienleiter erkennen auch bei Onlie-Games virales Potenzial - v.a. bei der jüngeren Zielgruppe: "Aber auch Games liefern aufgrund ihrer Interaktivität und Vielseitigkeit (mit anderen Spaß haben, Freunde herausfordern, Unterhaltung, Wissenserweiterung, etc.) virales Potential, gerade in der sehr jungen Zielgruppe. Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten der Vermarktung."
Die sehr ausführlichen Studienergebnisse können als PDF heruntergeladen werden und bieten weit mehr Erkentnisse als hier in diesen wenigen Zeilen zusammengefasst werden konnten.
Dem Media-Blog entnehme ich, dass in Düsseldorf von April '08 bis August '08 eine Ausstellung mit dem Titel "Radical Advertising" auf seine Besucher wartet. Die Aussteller sprechen von einem Paradigmenwechsel in der Werbung im 21. Jh.
Cool auf der Seite ist die Online-Ausstellung, welche nach Marken, Künstler und Rubriken (Guerilla, Adbusting, Viral/Buzz, Ambient, StreetArt) durchforstet werden kann. In der Podcast-Sammlung erklärt die hübsche Mia Begriffe wie Adbusting, Viral Marketing und Demokratisierte Werbung.
Youtube wartet neu mit einer Statistik-Seite für seine Nutzer auf (auch Youtube-Mutter GoogleBlog berichtete darüber). Es kann so errechnet werden, wann wieviele Nutzer von wo sich ein Video angesehen haben. Dies ist sicherlich sehr hilfreich für sämtliche Virals, die über den Youtube-Äther laufen (Viral-Controlling?).
Anfänglich hatte ich etwas Mühe dieses Tool überhaupt auf meinem Youtube Account zu finden (obwohl es eigentlich auf der Hand liegt): Youtube Account öffnen/login --> zu Manage My Videos --> Videos, Favorites & Playlists --> About this Video und schon macht sich das Google-Analytics-Ähnliche-Tool erkenntlich.
Coole Viral-Aktion von 1Jour1Vin und realisiert durch ZS2 Creative und Warmupinteractive. Und ich hatte mich schon gefreut, dass ich mir jetzt täglich meinen Wein runter"saugen" kann ;o)
Die Diagnose: Ein fragmentiertes, zerstreutes und durch Spezialinteressen demassifiziertes Publikum in einer ökonomisierten Medienöffentlichkeit.Im Prinzip nicht neues, doch das Buch "Marketeasing" von Bernd Röthlingshöfer beschreibt anschaulich die Konsequenzen für die Unternehmenskommunikation und bietet gute Lösungsvorschläge aus der Trickkiste des Viral-, Buzz- und wie-sie-alle-heissen-Marketing.Mein alternativer Lösungsvorschlag à la Bill Gates:Windows Start-Button --> Programme --> Zubehör --> Systemprogramme --> Defragmentierung... Ein bisschen "social engeneering" schadet nie ;o)
Im 20Minuten war es zu lesen und vieler andernorts im Internet war es ebenfalls das grosse Thema. Die SVP macht weiterhin negative Schlagzeilen mit ihrer geschmacklosen Wahlpropaganda. Neuester Coup ist das Flash-Game mit Zottel, dem Bauern-Maskottchen.
Das spielen doch nur SVP-Fans!!! Weit gefehlt - SVP-unfreundliche Usernames lassen auf das Gegenteil schliessen. Ob dies wohl im Sinne der SVP war?
Ich gebe zu, ich hab das Spiel gespielt und es wurde mir bereits nach wenigen Minuten langweilig. Die SVP Projektmitarbeiter scheinen einen grossen Teil der Energie darauf verwendet zu haben, unterschwellige Propagandaeffekte zu erzielen. Dabei blieb der Spielspass auf der Strecke. Nein meine Herren, Damen und Zottels - so macht man keine positive online Mundpropaganda.
Im Rahmen seiner Master-Arbeit befasst sich Florian Fischer mit Viralem Marketing. Eine Forschungsfrage hat er bis jetzt noch nicht gefunden, scheint aber auf gutem Weg dazu zu sein:
"[...] noch befinde ich mich quasi im Vorstadium der Themenbereich-Einschränkung. Konkret heißt dass: alles lesen was einem zu Viralem Marketing in die Finger kommt – und das ist im Internet gerade zu diesem Thema so einiges. Z.B. die Diplomblogger: hier lässt einem Judith Böhm am Entstehen ihrer Diplomarbeit zum Thema Virales Marketing teilhaben und erläutert auch gleich die Vorteile hierbei – mehr als überzeugend: Will ich auch! Und so kam es zu diesem Weblog…"
In diesem Sinne wünsche ich ihm viel Glück und gutes Gelingen. Ich bin ja mitlerweilen mit meiner Arbeit schon etwas weiter. Konkret:
Daten sind erhoben
Theorie-Teil grundsätzlich fertig
Beginn des Methodischen/Empirischen Teils
Noch bleiben eineinhalb Monate. Klingt nach viel, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, was ich noch alles erledigen muss...wird aber schon ;o)
Viral Marketing, Buzz Marketing, Blog Marketing,
Ambient Marketing, Guerilla Marketing, Ambush Marketing, User Generated
Marketing, Grassroot Marketing, usw usw.
Es gibt immer wieder
viele neue Wortkreationen, wenn ein (gar nicht so) neues Phänomen
betitelt werden soll. Aber um das geht es hier eg. gar nicht. Wollte
nur auf ein paar Seiten aufmerksam machen, die virale Kampagnen
vorstellen (einige weitere findet ihr auch in meinem Blogroll).