Zerfass und Boelter (2005: 119 – 120) schlagen
vor, Corporate Blogs anhand der drei Grunddimensionen jeglicher
Kommunikationshandlung als symbolisch vermittelte Interaktion zu
systematisieren. Man kann unterscheiden, wer
(welcher Autor), wen (welche Ziel-
oder Anspruchsgruppengruppen), wie
(persuasiv, informativ, oder argumentativ) beeinflussen will. Bei der
Betrachtung der Autorschaft lassen sich CEO-Blogs,
Weblogs im Rahmen der allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit und Mitarbeiter-Blogs unterscheiden.
Von CEO-Blogs[1], der
„Königsdisziplin“ der Corporate Blogs, spricht man, wenn Führungskräfte eines
Unternehmens zum Beispiel über Branchenthemen, Strategien, Geschäftsreisen oder
auch über private Erlebnisse bloggen. Der besondere Vorteil dieser Art von
Corporate Blogs liegt darin, dass sie einem Unternehmen durch die authentische
und publikumsnahe Sprechweise ein vertrautes Gesicht und eine persönliche
Stimme verleihen. Das Unternehmen wird durch den bloggenden CEO sozusagen „humanisiert“
und macht gleichzeitig vom starken Nachrichtenwert der Personalisierung Gebrauch
(vgl. Gillin 2006: 57; Zerfass/Sandhu 2006: 59 – 62; Zerfass/Boelter 2005: 121
– 122). Ausserdem können Führungskräfte bei Anfragen von Journalisten Zeit einsparen,
da ein CEO-Blog zitierfähiges
Material liefert (vgl. Eck 2007a: 85 – 86).
Vielfach werden Corporate Blogs in die bestehende
Strategie und die Arbeitsabläufe der Öffentlichkeitsarbeit der
Kommunikationsabteilungen integriert. Experten oder
Kommunikationsverantwortliche treten als Autoren auf, als Absender fungiert allerdings
das Unternehmen als ganzes. Die Weblog-Einträge werden häufig gemäss den organisatorischen
Zielsetzungen und Strukturen geplant, redigiert und freigegeben. Dabei geht
jedoch ein erhebliches Stück der persönlichen und authentischen Prägung der
Einträge verloren (vgl. Zerfass/Boelter 2005: 121).
Eine besonders authentische und glaubwürdige Art
der Kommunikation bietet hingegen die Möglichkeit, einzelne Mitarbeiter einer
Organisation bloggen zu lassen. Die auf einer zentral bereitgestellten
Infrastruktur betriebenen Mitarbeiter-Blogs[2]
werden in Eigenregie betrieben, bedürfen jedoch ausgefeilter „Blogging-Policies“[2],
um die Einträge in einem begrenzten und strukturierten Rahmen zu halten (vgl. Eck
2007a: 94; Zerfass/Boelter 2005: 123).
Betrachtet man in einem weiteren Schritt die
Kommunikationszwecke und die Zielgruppen von Corporate Blogs, so lassen sich daraus
die einzelnen Einsatzmöglichkeiten ableiten. Die
Ausführungen basieren auf Eck (2007a: 94 – 96), Hogenkamp (2007: 19),
Klein (2006: 28 – 29), Wolff (2006a: 15 – 46) sowie Zerfass/Boelter (2005: 128
– 157).
Knowledge-Blogs sowie Kollaborations- und Projekt-Blogs werden hauptsächlich in der internen Kommunikation
für das Wissens- und Projektmanagement eingesetzt. Service-Blogs[4] kommen
vor allem in der Kundenkommunikation von Softwarefirmen bezüglich Fragen, Problemen
und Anregungen zu den angebotenen Dienstleistungen und Produkten zum Einsatz,
wie auch zur Information über Weiterentwicklungen und themenrelevante Bereiche.
Kampagnen-Blogs[5] sind
temporär aufgeschaltene Weblogs zur Unterstützung eines politischen Wahlkampfes
oder einer PR- oder Werbekampagne. Sie können auch im Vorfeld einer
Produkt-Lancierung eingesetzt werden, um den Kunden frühzeitig zu informieren
und zu binden. Produkt- und Marken-Blogs[6] veröffentlichen
Beiträge über ein Produkt oder eine Marke, stehen zumeist in Verbindung mit
E-Commerce und profitieren potenziell von viralen Mundpropaganda-Effekten durch
die Fan-Community. Customer
Relationship-Blogs[7]
werden zur Schaffung einer markenfreundlichen und interaktiven Community
genutzt, indem sie eine kommunikative Beziehung zu Kunden und Anspruchsgruppen
im soziopolitischen Umfeld pflegen. Krisen-Blogs
können als Instrument des Krisen-Managements zur schnellen, offenen,
verständnisorientierten und argumentativen Kommunikation eingesetzt werden, um
auf Bedürfnisse und Mängelrügen der Betroffenen einzugehen und sie mit ihnen gemeinsam
zu lösen. Themen- und Fach-Blogs[8]
dienen hauptsächlich dem Auf- oder Ausbau eines Expertenstatus oder einer
Meinungsführerschaft in einem spezifischen Kerngebiet, wodurch die Kompetenz
des Unternehmens unterstrichen und ein Themengebiet „besetzt“ werden kann. Themen-Blogs
haben den Anspruch stets aktuell zu sein, und die neuesten Trends und
Entwicklungen frühzeitig aufzuspüren.