Ich habe
mir den Blogeintrag von Martin Oetting schon vor einiger Zeit in der Absicht auf die
Seite gelegt, um mich nach einem wissenschaftlichen Artikel umzuschauen,
welcher die Frage beantwortet:
Gibt es mehr positive oder mehr
negative Mundpropaganda?
Da ich ein
eigenes grosses Interesse daran hatte, diese Frage beantworten zu können, nahm
ich mir kürzlich in der Bibliothek meiner Uni eine Recherchen-Pause (nicht Pause
von der Recherche, sondern eine Pause vom Lernen, welche mit dem freudigen
Recherchieren verbracht wurde). Nun, die Pause dauerte nur 3 Minuten, schon
hatte ich gefunden, wonach ich gesucht habe. Natürlich will ich euch daran
teilhaben lassen, und fasse den Artikel kurz zusammen:
Die
Wissenschaftler (siehe unten für Quellenangabe) haben zwischen 2001 und 2003 mehrere Studien durchgeführt, in
denen Mundpropaganda über verschiedene Kategorien hinweg (Autos, Zahnarzt,
Kreditkarte, Internet Provider, Restaurants, Natel, etc.) untersucht wurde.
- Die
Resultate zeigen, dass im Ganzen positive Mundpropaganda (PWOM) über alle
Kategorien hinweg häufiger ist als negative Mundpropaganda (NWOM). Der Grund
dafür liegt darin, dass mehr Leute PWOM statt NWOM produzieren (Penetration),
als dass diejenigen die PWOM produzieren, häufiger etwas Positives
weitererzählen als diejenigen, die NWOM produzieren (Frequenz).
- PWOM ist
dabei im Schnitt (über alle Kategorien) 3-mal häufiger als NWOM.
- Leute die
sich in NWOM engagieren tendieren auch eher dazu PWOM zu generieren. Das
gleiche gilt für die Kategorien: In denjenigen Kategorien, die PWOM anziehen,
ist auch der Anteil an NWOM überdurchschnittlich hoch. Das heisst also, dass es
Personengruppen und Kategorien gibt, die generell mehr Gesprächsstoff produzieren
bzw. bieten.
- PWOM ist
durchschnittlich über alle Kategorien und Studien in 77% der Fälle mit der
momentanen „Hauptmarke“ der Befragten verbunden. Im Gegensatz dazu ist NWOM in
77% der Fälle mit einer anderen Marke als der momentanen „Hauptmarke“ verbunden
(unter Hauptmarke wird, so glaube ich, die Marke bezeichnet, die man momentan
besitzt, also z.B. einen Dell Computer, oder ein Nokia Telefon etc., im
Vergleich zu einem Produkt das man früher hatte, oder einmal kurz hatte oder
nie hatte).
- Das
Auftreten von PWOM, und manchmal von NWOM steht in positivem Zusammenhang mit
dem Marktanteil der Marke.
In der
Diskussion der Resultate offerieren die Autoren 6 „Propositions“:
1. Production
of WOM at an aggregate level depends on the relative importance of the category
to consumers, the difference between brands within the category and the
prominence oft he category in everyday
environment.
2.
Production of WOM at an individual level depends on the value, knowledge and
experience oft he category, as well as on the range oft he individual’s social
contacs.
3. Within a
category, the incidents (Penetration * Frequency) of PWOM and NWOM for each brand
tends to be a function of that brand’s market share.
4. The
ratio of PWOM to NWOM in a category increases when knowledge of negative
examples is limited.
5. A
measure combining the relative incidence and impact of PWOM and NWOM about
brands could be an indicator of future changes in brand sales.
6. The
impact of PWOM on brand choice is much the same as the impact of NWOM in
familiar categories.
Quelle: Easr/Hammond/Wright (2007):
The relative incidence of positive and negative word of mouth: a multi-category
study. In: International Journal of Research in Marketing, Issue 24/2007,
175-184. 